journal article·2023-06Open access

Ambitionierte Ingenieurinnen und Ingenieure dringend gesucht!

Torsten Leutbecher

Beton- und Stahlbetonbau· Volume 118· Issue 6

Abstract

Die gesellschaftlichen Herausforderungen durch die Energiewende, im Wohnungsbau und im Verkehrssektor sind weitreichend. Als Schlüssel zur Bewältigung der Aufgaben rückt das Bauwesen zunehmend in den Fokus. Galt bislang der Maschinenbau als Aushängeschild der deutschen Wirtschaft, keimt nun die leise Hoffnung, dass die Beiträge der Bauschaffenden für die Gesellschaft in Zukunft stärker wertgeschätzt werden. Natürlich sind daran auch gestiegene Erwartungen an die Leistungsfähigkeit und Innovationskraft der Branche geknüpft. Allein die Realisierung einer leistungsfähigen Infrastruktur, deren Planung, Genehmigung und Umsetzung nach dem Willen der deutschen Bundesregierung massiv beschleunigt werden soll, verspricht eine exzellente berufliche Perspektive für absehbar mehr als eine Generation hochqualifizierter Ingenieurinnen und Ingenieure. Doch so gesellschaftlich wertvoll die Bewältigung der anstehenden Aufgaben auch erscheinen mag, gelingt es leider nur mit bescheidenem Erfolg, mehr junge Menschen für den Bauingenieurberuf zu begeistern. Selbst Studierende und Berufseinsteiger lassen bei der Aussicht auf ein erfüllendes Berufsleben unter Hinweis auf die eigene Work-Life-Balance zunehmend weniger Enthusiasmus und Ambitionen erkennen. Und so herrscht trotz noch immer hoher Studierenden- und Absolvierendenzahlen bereits heute ein akuter, in erster Linie konjunkturgetriebener Mangel an Bauingenieurinnen und Bauingenieuren. Ohne signifikante Effizienzsteigerung durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz wird sich die Situation durch die erst in den nächsten Jahren greifbar werdende demografische Entwicklung noch erheblich verschärfen. Egal ob in der öffentlichen Bauverwaltung, in Baufirmen, in Ingenieurbüros oder in der Wissenschaft: Die Besetzung einer freien Stelle wird absehbar zunehmend größere Ausdauer und Kompromissbereitschaft erfordern. Doch wie kann dem Mangel an ambitionierten Fachkräften entgegengewirkt werden? Diese Frage beschäftigt auch die diesjährige Plenarversammlung des Fakultätentages für Bauingenieurwesen, Geodäsie und Umweltingenieurwesen (FTBGU). Neben der Integration und Qualifikation von Fachkräften aus dem Ausland richtet sich der Fokus auf die Überprüfung der Studieninhalte sowie eine allgemeine Steigerung der Sichtbarkeit und Attraktivität des Bauingenieurberufs in den Medien und Schulen. Bei allen Anstrengungen, die Bedeutung und Leistungen unseres Berufsstandes auch mit Blick auf die Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung generationengerecht zu kommunizieren, sollten wir nicht übersehen, dass es nur bedingt gelingen wird, Schülerinnen und Schüler mit begrenzter Affinität zu mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Inhalten für ein Ingenieurstudium zu gewinnen, geschweige denn zu einem qualifizierten Abschluss zu führen. Vielleicht müssen wir daher auch lernen zu akzeptieren, dass unter den gegebenen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen – selbst bei Hebung aller Potenziale – nicht alle der eingangs skizzierten Herausforderungen in der ökologisch und volkswirtschaftlich gebotenen Dringlichkeit bewältigt werden können. Torsten Leutbecher Prof. Dr.-Ing. Torsten Leutbecher, Universität Siegen
Source: openalex_inverted_index · Quality: baseline

Research context

OpenAlex topics: Social and Demographic Issues in Germany · Social Policies and Healthcare Reform · Public Administration and Political Analysis

SciVX discovery tags are terminology-based. OpenAlex topics are source-provided classifications.

Affiliations

Universität Siegen

References

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