Wann fangen wir an?
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Abstract
Langsam sollte es nun wirklich jeder von uns wissen: Wir Bauschaffenden erzeugen ungefähr 20 % des weltweiten CO2-Ausstoßes, wir sind für 40 % des Verbrauchs natürlicher Ressourcen und für 50 % des Abfalls verantwortlich. Natürlich schwanken die Zahlen von Quelle zu Quelle etwas, aber riesig groß sind sie immer. Da könnten wir vor Scham den Kopf in den langsam knapp werdenden Sand stecken. Wir können aber auch sagen: Wow, wir haben in der ganzen Zukunfts- und Klimadebatte den allergrößten Hebel in der Hand! Foto: Conrad Pelka M.Sc. (TU Dresden) Anhand einiger bereits ausgeführter Maßnahmen haben wir analysiert, dass diese sogenannte Generalsanierung durchschnittlich nur ein Drittel des vergleichbaren Neubaus kostet. Man könnte meinen, dass damit doch alles klar sein sollte, zumal mit dem Erhalt der häufig denkmalgeschützten Gewölbebrücken auch noch ein wichtiger baukultureller Beitrag geleistet wird. Es ist aber nicht so. Nach wie vor reißen wir bevorzugt ab und bauen neu! Nicht nur bei den Gewölbebrücken, sondern überall im Brückenbau und auch im Hochbau. Gründe dafür gibt es viele, teils objektive, teils subjektive: Auch wenn es auf höchster politischer Ebene heißt „Sanierung vor Neubau“, gilt im wirklichen Eisenbahnbrückenbau nach wie vor, dass der Neubau anstandslos bundesfinanziert wird, die Sanierung aber mit Eigenmitteln der Bahn erfolgen muss (zumindest für Gewölbe konnten wir dieses Problem nun endlich lösen). Leider fehlen uns aber darüber hinaus im Bereich Sanierung und Instandsetzung die Kenntnisse und Erfahrungen, siehe dazu auch das Editorial von Eugen Brühwiler aus dem Juniheft 2021 [1]. Bauen im Bestand ist auch immer mit Risiken verbunden, die eine andere, teils iterative Systematik in der Analyse und Planung erfordern. Diese will in die üblichen linearen Prozesse des Neubaus nicht so recht passen und erfordert ein Umdenken auch im Anlagen- und Projektmanagement. Hinzu kommt, dass der Bestand in der Regel nicht ganz den heutigen Vorschriften entspricht und seine Existenz allein deshalb in Frage gestellt wird, obwohl das Bauwerk seit vielen Jahrzehnten seine Tragfähigkeit und Gebrauchstauglichkeit bewiesen hat. Wie gehen wir nun damit um? Sicher braucht es Forschung und vor allem den Transfer der Ergebnisse in die Praxis. Und natürlich braucht es Qualifizierung der Ingenieurinnen und Ingenieure, um sich auf die Herausforderungen des Bestands einlassen zu können. Wer kennt sich schon aus mit Bauwerksdiagnostik, Nachweisverfahren und Sanierungsmethoden, die über die Neubauvorschriften hinausgehen? Vor allem aber müssen wir uns endlich bewusst machen, dass wir diejenigen sind, die den wichtigsten Beitrag zu einer CO2-neutralen und noch besser ressourcenneutralen Zukunft leisten können und müssen. Und zwar nicht abstrakt, sondern jeder ganz konkret selbst in unseren alltäglichen Projekten! Weniger Flugzeug fliegen ist sicher gut, aber noch besser ist, wenn wir für jeden Kubikmeter umsonst verbauten Beton eine entsprechende Scham entwickeln. Schon heute könnten wir 50 % der Emissionen und des Ressourcenverbrauchs im Bauwesen vermeiden, ohne die Funktionalität oder die Sicherheit einzuschränken, da bin ich mir sicher. Das würde allerdings ein radikales Umdenken und Verändern unserer Prozesse und Projekte und auch ein Infrage stellen bereits getroffener Entscheidungen erfordern. Wann wollen wir endlich damit anfangen? Prof. Dr.-Ing. Steffen Marx TU Dresden Prof. Dr.-Ing. Steffen Marx, TU Dresden
Source: openalex_inverted_index · Quality: baseline
Research context
OpenAlex topics: Civil and Structural Engineering Research · Concrete Corrosion and Durability · Structural Engineering and Vibration Analysis
SciVX discovery tags are terminology-based. OpenAlex topics are source-provided classifications.
Affiliations
TU Dresden
References (1)
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1. 10.1002/best.20217060310.1002/best.202170603 ↗