journal article·2019-06Open access

Konsequenz der Lebensdauer

Peter Mark

Beton- und Stahlbetonbau· Volume 114· Issue 6

Abstract

Die Lebensdauer von Bauwerken ist begrenzt. Das ist eine triviale Erkenntnis. Sie trifft auf alle technischen Objekte zu, die sich sämtlich nur über einen gewissen Zeitraum nutzen lassen. Das Besondere an Bauwerken liegt in der Länge der Lebensdauer. Sie übersteigt die üblichen Zyklen politischer Entscheidungen oder einer menschlichen Arbeitsgeneration deutlich. Das ist bei Autos oder Geräten des täglichen Bedarfs anders. Gefühlt „leben“ Bauwerke unbegrenzt – also über den persönlichen Horizont hinaus – und stehen wartungsfrei sicher zur Verfügung. Tatsächlich aber ignoriert diese Wahrnehmung die Realität. Je nach Bauwerkstyp sind Häuser, Brücken oder Tunnel nach rund 50, 80 oder 150 Jahre zu ersetzen. Jüngste Beispiele der Brücken zeigen, dass diese Zahlen eher optimistisch hoch ausfallen und in der heutigen Verkehrsdichte oft nicht zu halten sind. Inspektion und Wartung sind unerlässlich. Umso mehr verwundert, dass öffentliche Finanzmittel dazu als „konsumtiv“ eingeordnet werden, obwohl sie doch investiv die Zukunft sichern. Oder würden Sie Inspektion und Ölwechsel am eigenen Auto ernsthaft unterlassen wollen? Die Begrenztheit der Lebensdauer birgt zwei Konsequenzen. Erstens, der Ersatzneubau kommt, unausweichlich. In seinem Ausmaß verteilt er sich aber nicht gleichmäßig über die Jahre, sondern wie im Spiegelbild der Vergangenheit. Addieren Sie zum Bauboom Westeuropas in den 1960er bis 1980er Jahren 50 bis 80 Jahre hinzu, und Sie erahnen, was nun an Ersatzneubau bevorsteht. Ein neuer Boom, nun aber im Bestand. Schwierig daran sind unsere heutigen Randbedingungen der vielschichtig vernetzten Systeme, die äußerst sensibel auf Störungen reagieren. Es liegt auf der Hand, dass störungs- und ressourcenarm, also viel schneller, leichter und deutlich dauerhafter gebaut werden muss. Industrielle Vorfertigung, Modulbauweisen mit austauschbaren Einzelelementen, Hochleistungsmaterialien und nichtkorrosive Bewehrungen sind Schlagworte dazu. Zweitens, die Bedeutung des Bauwerkerhalts nimmt zu. Das Bestehende muss wo möglich durch passende Restnutzungsdauerabschätzungen, Verstärkungen und Rehabilitationen erhalten bleiben, dass der notwendige Neubau zeitlich wie räumlich entzerrt stattfinden kann und die Ressourcen dafür auch zur Verfügung stehen. Verteilen ist das Gebot der Stunde. Gerade in den dicht bebauten Städten ist dies besonders herausfordernd, da vielfältige Maßnahmen, Beteiligte und Interessen zusammenzuführen und mit Übersicht zu koordinieren sind. Positiv gesprochen, gibt es viel zu tun für gut ausgebildete und motivierte Ingenieurinnen und Ingenieure. Besondere Bedeutung kommt dabei der übergreifenden Steuerung zu, also den öffentlichen Verwaltungen in Bund, Ländern und Kommunen. Gerade hier sind versierte Expertinnen und Experten gefragt. Schlussendlich liegt noch eine dritte Konsequenz in einer planmäßig vollendeten Lebensdauer, nämlich, dass seit vielen Jahrzehnten Frieden herrscht in Europa. Das sollte motivieren für die schwierigen Aufgaben. Viel Freude nun bei der Lektüre der Zeitschrift, Ihr Peter Mark Prof. Dr.-Ing. habil. Peter Mark Ruhr-Universität Bochum
Source: openalex_inverted_index · Quality: baseline

Research context

OpenAlex topics: Civil and Structural Engineering Research

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Affiliations

Ruhr‐Universität Bochum

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