journal article·2012-05

Über die Anfänge des Eisenbetonbaus in Deutschland und die Pioniere der ersten Jahre

Wieland Ramm

Beton- und Stahlbetonbau· Volume 107· Issue 5
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Abstract

Als Anfangszeit des Eisenbetonbetonbaus in Deutschland bezeichnet man die Jahre zwischen 1885 und 1905; sie umfasst also rund zwei Jahrzehnte. In dieser Zeit waren es mehrere weitsichtige Maenner, die das Potenzial dieser Bauweise erkannten und versuchten, sie in Deutschland voran zu bringen. Es handelt sich um Conrad Freytag, Gustav Adolf Wayss, Matthias Koenen und Emil Moersch. Zu Ende des 19. Jahrhundert war die Bautechnik schon weit vorangeschritten, aber die Eisenbetonbauweise stand noch immer im Schatten des Stahlbaus und der klassischen Baustoffe Stein und Holz. Dass sich die neue Bauweise noch nicht durchgesetzt hatte, lag nicht zuletzt am Fehlen von Regelwerken zum Eisenbetonbau. Unbewehrter Beton hatte sich aufgrund des in Grossbritannien neu entwickelten Bindemittels Portlandzement zwar schon durchgesetzt, es fehlte aber der Schritt zum bewehrten Beton. Die Entwicklung dieser Bauweise begann Mitte des 19. Jahrhunderts in Frankreich und ist eng verbunden mit den Namen Joseph Monier, Joseph Louis Lambot und Francois Coignet, der schon 1854 in England ein Patent ueber eisenbewehrte Betondecken erhielt. Erst 1884 wurde Moniers Patent in Deutschland durch Conrad Freitag in Lizenz umgesetzt. Massgeblich beteiligt war daran die Firma Freytag und Heidschuch aus Neustadt an der Haardt (heute Neustadt an der Weinstrasse). Schon ein Jahr spaeter stiess zu diesen Geschaeftsleuten der junge Ingenieur Gustav Adolf Wayss, der am Polytechnikum in Stuttgart ausgebildet worden war. Wayss hatte zuvor selbst das grosse Entwicklungspotenzial des Eisenbetons erkannt und versuchte, es durch vielfaeltige Aktivitaeten seiner Firma in Frankfurt am Main zu nutzen. Er wurde damit zum zweiten Pionier dieser Bauweise in Deutschland. Durch direkte Kontakte mit Monier gelang es Wayss, sich die Rechte an dessen Patent fuer ganz Deutschland zu sichern; er ueberliess aber Freytag und Heidschuch das Patenteigentum fuer das Koenigreich Wuerttemberg und den Elsass. Noch 1885 verlegte Freytag wegen besserer Auftragschancen fuer die neue Bauweise seinen Firmensitz nach Berlin. Hier kam er in Kontakt mit dem Regierungsbaumeister Matthias Koenen, der im preussischen Staatsdienst stand. Dieser war ein Ingenieur mit wissenschaftlich fundierten Kenntnissen und hatte zunaechst grosse Bedenken gegen die Eisenbetonbauweise. Schon damals stellte er drei fuer diese Bauweise kritische und grundlegende Fragen: Rostbildung an der Bewehrung, ausreichende Haftung der Eisen im Zementmoertel, Ausdehnungsverhalten infolge Temperatur. Diese Fragen bildeten den Ausgangspunkt fuer die nachfolgende intensive Zusammenarbeit von Wayss und Koenen. Die Fragen konnten durch einfache Versuche und Literaturrecherchen fuer die Bauweise positiv beantwortet werden. Insbesondere die Tatsache, dass Beton und Stahl praktisch den gleichen Ausdehnungskoeffizienten haben, ueberzeugte Koenen. Die anderen Fragen wurden durch Versuche geklaert. Koenen setzte sich fortan vehement fuer die Entwicklung von Berechnungsmethoden fuer den Eisenbeton ein, die er selbst verfasste. Er ist auch Hauptverfasser der so genannten "Monier-Broschuere", der weltweit ersten Darstellung ueber die "Biegemessung von Eisenbetonplatten". Nach langem Zoegern verliess Koenen den Staatsdienst und gab damit dem Draengen von Wayss nach. Er wurde technischer Leiter in der Firma G. A. Wayss und Co. in Berlin. Die durchgefuehrten Versuche und die "Monier-Broschuere" wirkten sich sehr positiv auf die Auftragslage der Firma aus, die danach stark expandierte.Trotzdem kam es zu einer wechselvollen Unternehmensentwicklung, die schliesslich in die Gruendung der Firma Wayss und Freytag muendete. Trotz der Erfolge fehlten fuer die Bauweise immer noch breite wissenschaftliche Grundlagen sowie verbindliche technische Regeln und Vorschriften. Der Durchbruch zur Schaffung entsprechender Grundlagen und Regelungen ergab sich erst durch die Arbeiten von Emil Moersch, der in die Firma eintrat. Er wurde zu einem weiteren Pionier in der Fortentwicklung des Eisenbetonbaus, insbesondere bei der Erarbeitung der ersten Vorschriften des Deutschen Beton-Vereins zu der neuen Bauweise. Abschliessend wird der weitere Berufsweg der Pioniere Freytag, Wayss, Koenen und Moersch beschrieben.
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Research context

OpenAlex topics: Civil and Structural Engineering Research

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References (29)

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