Ist Bauen noch zeitgemäß?
Source abstract
Abstract
Angesichts der vielfältigen und allgegenwärtigen Kritik am Bauen müssen wir uns diese Frage stellen. Auch die Entwicklung, dass sich selbst große Baukonzerne immer mehr vom Bauen zurückziehen, gibt zu denken. Die hämischen und undifferenzierten Bemerkungen zu den sogenannten “Großprojekten” werden immer wieder hervorgeholt, um Kritik am Bauen und noch mehr um Kritik an den Bauschaffenden, den Architekten, den Bauingenieuren und den Baufirmen zu üben. Die Süddeutsche Zeitung titelte gar “Die deutschen Ingenieure sind schlechter als ihr Ruf”. Die Hintergründe der Probleme mit den sogenannten “Großprojekten”, wie zum Beispiel politisch gesteuert zu niedrige Budgetangaben, Entscheidungsfehler und -schwächen der Bauherrenvertreter, gepaart mit häufig gewünschten Zusatzanforderungen an das Bauwerk, oft noch während der Bauausführung, fehlender Planvorlauf wegen zu später oder unvollständiger Beauftragung der Planer, überbordende, nicht mehr konsistente technische und juristische Vorschriftenwerke und Gesetze usw. usw., werden dabei natürlich nicht erwähnt. Architekten und Bauingenieure sind aber durchaus in der Lage, Großprojekte erfolgreich, d. h. im wirtschaftlich vorgegebenen Rahmen und termingerecht auf der Grundlage einer seriös und im Konsens erstellten Planung und Kostenermittlung abzuwickeln, wenn sie nicht durch die politischen und/oder gesellschaftlichen Störfeuer in der laufenden Bauausführung behindert werden. Dies geschieht tagein, tagaus, landauf, landab. Nur berichtet darüber keiner, ganz nach dem Prinzip “only bad news are good news”. Auch im internationalen Geschäft stellen die deutschen Consultants und die deutsche Bauwirtschaft immer wieder unter Beweis, dass sie großartige und auch große Projekte sehr zur Zufriedenheit ihrer Kunden abwickeln können. An den Ingenieuren liegt es also nicht, wenn hier in Deutschland nicht immer alles so läuft, wie es sollte. Auch im Hinblick auf den Umweltschutz steht das Bauen zunehmend negativ im Fokus der Öffentlichkeit und vor allen Dingen auch der Umweltverbände. Ja, Bauen verursacht erhebliche Emissionen wie Lärm, Staub, Abgase und verbraucht zur Herstellung der Baumaterialien eine Menge Rohstoffe und Energie und die Maßnahmen erfordern Eingriffe in die Natur. Dies lässt sich nicht (vollständig) vermeiden, aber diese Themen werden von den Ingenieuren im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfungen, der Nachhaltigkeitsbetrachtung von Bauwerken und deren Zertifizierung mit Umweltplaketten immer stärker berücksichtigt. Maschinen werden gekapselt und lärmintensive Anlagen schalltechnisch eingehaust. Allein schon aus Gründen der Wirtschaftlichkeit wird der erforderliche Energieaufwand kontinuierlich reduziert. Nullenergiehäuser zeigen das hohe Einsparpotential von Primärenergie nur durch Gebäude. Bauen ist im letzten Jahrzehnt deutlich umweltfreundlicher geworden. Bauen ist und bleibt eine wesentliche Säule jeder wirtschaftlichen Entwicklung und ist daher nicht nur zeitgemäß, sondern unverändert notwendig für den Erhalt unserer Zivilisation, unseres Wohlstands und unserer Volksgesundheit. Wir müssen dies immer und immer wieder vermitteln, der Politik, der Presse, dem Stammtisch und der abendlichen gesellschaftlichen Runde. Dass sich das Bauen ständig weiterentwickelt, intelligenter wird, neue Bauweisen hervorbringt, wirtschaftlicher und umweltverträglicher wird, zeigen auch die Aufsätze in diesem Heft. Auch die kritischen Anmerkungen von Altmeister Stefan Polónyi lassen keinen Zweifel aufkommen: Bauen, und vor allen Dingen Bauen mit Stahlbeton, ist ein Welterfolg! Bauen bleibt zeitgemäß. Dr.-Ing. KARL MORGEN, WTM Engineers, Hamburg
Source: openalex_inverted_index · Quality: baseline
Research context
OpenAlex topics: Civil and Structural Engineering Research
SciVX discovery tags are terminology-based. OpenAlex topics are source-provided classifications.
References
Reference metadata was not supplied for this record.